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Der österreichische Dirigent Walter Kobéra prägt das Musikleben des Landes nachhaltig mit Ur- und Erstaufführungen von Musiktheaterwerken.

Axel Seidelmanns "Hiob", Wolfram Wagners "Endlich Schluss", Dieter Kaufmanns "Requiem für Piccoletto", Richard Dünsers "Radek" - und das sind nur ein paar der Uraufführungen, die Walter Kobéra als Dirigent und Intendant der Neuen Oper Wien bestritt.

Unter den Erstaufführungen sind Benjamin Brittens "Billy Budd", Helmut Lachenmanns "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" und György Ligetis "Le Grand Macabre". Kein anderer Dirigent hat in Wien dermaßen viele stilistisch unterschiedliche Werke des zeitgenössischen Musiktheaters zur Ur- oder Erstaufführung gebracht - und dabei oft auch Modellinterpretationen hingelegt.

Außerhalb Österreichs waren die Orchester zunächst in Abwartehaltung, wie so oft, wenn Dirigenten ihren Beruf mehr durch Assistenzen und die Ausübung erlernt haben als in einem regulären Studium, doch bald waren sie überzeugt, dass gerade der Orchesterpraktiker Kobéra es war, der komplexe Werke (auch solche vergangener Epochen) neu zu beleuchten und sowohl für die Fachwelt als auch für das Publikum verstehbar machen konnte. Seine klare Schlagtechnik, unspektakulär und frei von eitlen Posen, und ein untrügliches Gehör überzeugten auch die Skeptiker sehr schnell.

"Musik erlebbar machen, ist für mich - und das gilt im Besonderen für das Moderne Musiktheater - wie eine Gratwanderung auf einem Vulkan, dabei nicht die sichere Route wählend, jederzeit den Absturz in das absolute Desaster vor Augen", sagt Kobéra über seine Arbeit.
- Edwin Baumgartner